Art ’n‘ Act wird 20

Im November 2014 wird das Art ’n‘ Act 20 Jahre alt, diesen Geburtstag will es gebührend feiern und lädt zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung ein.

Einige Künstlerinnen und Künstler, die in den letzten 20 Jahren in der Ateliergemeinschaft gearbeitet haben, werden ihre Werke zeigen, ausserdem gibt es folgende Programmpunkte:

Form und Schatten

War ich schon bei den Schattenspielen von Herman Van Goubergens Modell On The Water, Under The Water aus dem Jahr 1995 begeistert, so komme ich nicht umhin, einen Artikel über die Werke der japanischen Künstlerin Kumi Yamashita zu schreiben. Ihre Arbeiten aus dem Bereich Light & Shadow beschreibt sie als Kombination des Materiellen mit dem Immateriellen. So formt sie laut eigener Aussage „Schatten mit Licht und manchmal Licht mit Schatten“. Dafür nimmt sie unterschiedliche Objekte, bearbeitet sie entsprechend und setzt sie dann in Bezug zu einer einzelnen Lichtquelle.

Besonders interessant waren da für mich natürlich die Arbeiten aus dem Bereich Origami, wo sie durch „simples“ Verkrumpeln von Papier beeindruckende Ergebnisse erzielt. Mit dieser Form der Umdeutung und Erweiterung der Modelle über das gefaltete Ergebnis hinaus, geht sie noch einen Schritt weiter als Van Goubergen. Sie schafft es, sich vom oftmals figürlichen und in sich abgeschlossenen Charakter von Origami zu emanzipieren. Das Gefaltete an sich tritt in den Hintergrund, zumal es bei diesen Modellen nichts Erkennbares darstellt, und kann erst im Zusammenspiel mit der Inszenierung seine eigentliche Wirkung entfalten.

Die Werke sind von 2011 und wurden von American Express in Auftrag gegeben.
Alle Fotos (c) Kumi Yamashita.

Schwisch

On the Water, under Water aus dem Jahr 1995. Auf den ersten Blick ein Schwan, auf den zweiten (von unter der Wasseroberfläche) ein Fisch. Kann der erste Eindruck eines Modells ausreichend sein um es zu erfassen, oder ist es notwendig den eigenen Blickwinkel zu hinterfragen, oder gar zu ändern?

Das Spiel mit neuen Konzepten scheint es Herman Van Goubergen besonders angetan zu haben. Der 1961 geborene Programmierer aus Belgien entwickelt in unregelmäßigen Abständen neue Figuren, die stets in spielerischer Art und Weise gängige Konventionen in Frage stellen und einen Einblick in seine aktuellen Ideen geben sollen.

Diese Herangehensweise führte ihn dann auch zur Teilnahme an unterschiedlichen Ausstellungen. So zum Beispiel der Masters of Origami (Salzburg, 2005) oder der Folding Paper: The Infinite Possibilities of Origami (Los Angeles, 2012).

 

Die Anleitung für das Modell gibt es unter anderem hier.

Diagramm: Flapping Bird Tischkarte

Es ist mir eine besondere Freude, die erste Faltanleitung für eine Faltlabor-Eigenkreation vorzustellen. Die PDF-Datei dazu gibts hier. Die Form des Vogels ist inspiriert von einem Modell, das Rick Beech in seinem Buch Action Origami im Jahre 2002 veröffentlicht hat.

Der Entwurfsprozess war in diesem Fall ein Brute-Force-Ansatz, bei dem so lange an einem Ende der Tischkarte systematisch verschieden Muster ausprobiert wurden, bis eines dann tatsächlich eine als Ausgangsposition erkennbare Papierkonstellation ergab. Das Ziel war also eigentlich entweder zu einer Art Froschbasis oder vorläufigem Falz zu kommen um von da aus weitere Schritte zu erdenken. Dass es dann tatsächlich die dem Flapping Bird ähnliche Form wurde, ist zum einen meiner Vorliebe für dieses Modell und zum anderen dem „systematischen“ Zufall zu verdanken.

Selbstverständlich kann man auch mit systematischem Basis- und Crease-Pattern-Design zum Erfolg kommen, aber in diesem Fall war mir auch der Genuss am fast schon meditativen „vor mich hin Probieren“ wichtig. Auch fand ich es spannend, die Grenzen dieses von vielen verwendeten Verfahrens für mich auszuloten.

Dass diese Grenzen manchmal auch ganz unerwarteter Natur sein können, beschreibt James Minoru Sakoda zum Beispiel in seinem 1969 in den USA erschienen Buch Modern Origami (dt. Origami – Die faszinierende Kunst des Papierfaltens), wenn er über die Art seines Entwurfsprozesses redet:

„Normalerweise ging ich so vor, dass ich nicht eine bestimmt Form anstrebte, sondern entlang vorhandener Faltungen weiter faltete, bis eine vertraute Form entstand. […] Manchmal brauchte es Jahre, bis eine Verbesserung erreicht war, und manchmal geschah dies dann, wenn ich vergessen hatte, wie ich zu der Form gekommen war.

 

Burn baby, burn!

Brennendes Origami

Natürlich kann man bei diesen 2008 zustandegekommenen Bildern Worte über die Vergänglichkeit in der Kunst, geistige Reinigung oder die ganz unphönixhafte Transformation von makellosem Papier zu zerbrechlich-filigraner Asche verlieren. Stattdessen kann man sich aber auch einfach zurücklehnen und genießen:

Modelle von: Traditionell, Toshikazu Kawasaki, Robert Lang und John Montroll